Historisches Berlin - Schicksalstag der Deutschen

Der 9. November - Schicksalstag der Deutschen.

 Die meisten Menschen denken, wenn sie dieses Datum lesen, an den Fall der Mauer. Aber es gab noch andere bedeutende 9. November in der Vergangenheit, die das Schicksal der Deutschen beeinflussten.

ein Stück Restmauer, gesehen am Schiffsbauer Damm.

1918
Im Oktober, als der Erste Weltkrieg fast zu Ende war, sollte die Deutsche Flotte noch in einen Seekrieg gegen Großbritannien ausziehen. Die Matrosen meuterten jedoch, sie fanden es sinnlos in einen ohnehin verlorenen Krieg zu ziehen. Überall bildeten sich Soldaten- und Arbeiterräte. Schließlich gab der Reichskanzler, Max von Baden, den Druck der aufgebrachten Menschen nach. Er verkündete am 9. November die Abdankung des Kaisers Wilhelm II, der in die Niederlande flüchtete, und übertrug die Regierungsgeschäfte an den SPD Politiker Friedrich Ebert. Ein anderes Mitglied der SPD, Philipp Scheidemann, rief daraufhin, (von einem Fenster des Reichstagsgebäudes), die erste „Deutsche Republik“ aus, während der Sozialist Karl Liebknecht am Berliner Stadtschloss die „Freie Sozialistische Republik“ proklamierte. Deutschland hatte sich von einer Monarchie in eine Republik verwandelt.

1923
Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg in eine schwere politische und wirtschaftliche Krise geraten. Adolf Hitler und seine nationalistischen Anhänger nutzten diese Gelegenheit - mit der Hilfe von dem ehemaligen kaiserlichen General Ludendorff-  um die Regierung zu stürzen. Ziel des Putsches war die Errichtung einer rechten Diktatur in Deutschland. Der Putsch ging von Bayern aus; schlug jedoch fehl. Hitler wurde verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach wenigen Monaten ließ man ihn allerdings wieder frei. Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 besiegelte das Ende der Weimarer Republik. Die Zeit  des Nationalsozialismus hatte begonnen.
der Reichstag

                                                                      

1938
  In der Nacht von den 9. auf den 10. November zerstörten die Nationalsozialisten jüdische Geschäfte, Privathäuser und Synagogen; außerdem ermordeten sie zahlreiche Juden. Etwa 30 000 Juden wurden in Konzentrationslager inhaftiert. Tausende andere verließen daraufhin das Land, diejenigen die blieben, erwartete ein barbarisches Schicksal. Dieses Pogrom, auch „Reichskristallnacht“, genannt, bildete den Auftakt zum Holocaust, den schlimmsten Massenmord in der Weltgeschichte.


1989
„Wir sind das Volk „, ertönte es schon lange vor dem 9. November in den Straßen der DDR. Besonders in Berlin und Leipzig demonstrierte das Volk zu Tausenden.
Die Forderung nach Reformen wurde immer größer.
Denn die DDR, der letzte Stützpunkt des Kommunismus, war am zusammenbrechen. Viele DDR Bürger waren bereits schon im Sommer über Botschaften der BRD, die in verschiedenen osteuropäischen Hauptstädten lagen, in den Westen gereist. Am 11. September 1989 öffnete Ungarn die Grenze zu Österreich; es kam zu einen regelrechten Flüchtlingsstrom in die Bundesrepublik Deutschland. Honecker trat zurück; sein Nachfolger wurde Egon Krenz. Dessen Bemühungen um Veränderungen reichten dem Volk jedoch nicht. Der Druck auf die Regierung wurde immer größer, am Abend des 9. November verkündete ein Mitglied des Politbüros, Günter Schabowski, dass die Grenzen zu West-Berlin geöffnet würden. Tausende Menschen strömten von Ost- nach West-Berlin, und feierten ein riesiges Volksfest. Nach 28 Jahren war Berlin endlich wieder frei.
In den folgenden Monaten wurde die Mauer langsam Stück für Stück abgetragen.
Ab den 3 Oktober 1990 gab es auch die DDR nicht mehr. Denn Deutschland war wieder ein Land.

 25 Jahre Fall der Mauer - Feierlichkeiten am Checkpoint Charlie

© Rebecca Haertel 2009 ursprünglich veröffentlicht auf Suite 101

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