Berliner Originale - Anna Luise Karsch, die deutsche Sappho


 Anna Luise Karsch - auch die Karschin genannt -  war arm, arbeitete als Viehmagd und war nicht besonders schön. Aber sie faszinierte die Gelehrten und Adligen in ihrer Zeit.

 Anna Luise wurde am 1.12.1722 als Tochter des Gastwirtes Christian Dürbach in Hammer in der Nähe von Schwiebus, heute Świebodzin geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters (1728) wuchs sie bei Verwandten in Tirschtiegel (Posen) auf. Dort verbrachte sie einige glückliche Jahre. Aber ihre Mutter forderte ihre Tochter zurück, damit sie ihr bei der Hausarbeit und beim Viehhüten half. 1738 heiratete Anna Luise den Schwiebuser Tuchmacher Michael Hirsekorn. Nach der Scheidung heiratete sie den Schneider Daniel Karsch, von dem sie drei Kinder hatte. Doch auch diese Ehe wurde geschieden, denn Karsch war ein Trinker. Anna Luise Karsch schrieb Gedichte, Sprüche für Taufen und Hochzeiten. Diese Werke brachten ihr einen kleinen Nebenverdienst ein.

In der Sophienkirche (Mitte) liegt Anna Luise Karsch begraben

Die Karschin in Berlin
Nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges dichtete sie Lobeshymnen auf Friedrich II. Diese fanden großen Anklang, wurden in ganz Deutschland verbreitet und machten dadurch Anna Luise Karsch auch in Berlin bekannt. 1761 holte der Offizier Rudolf Gotthard von Kottwitz sie nach Berlin. Dort fand Anna Luise Karsch nicht nur Kontakt mit bekannten Schriftstellern wie Lessing, sondern auch Eingang in adelige Kreise. Auch mit Goethe hatte sie regelmäßigen Briefwechsel.
Anna Luise Karsch verehrte den Dichter Ludwig Gleim (1719-1803). Der Dichter holte sie nach Halberstadt, wo er wohnte. Er gab auch ein Buch mit ihren Gedichten heraus. In Halberstadt blieb sie eine Weile, dann zog es sie nach Magdeburg. Dort verkehrte sie regelmäßig am Hof von Königin Elisabeth Christine, die von ihren Mann Friedrich den Großen getrennt lebte. 1762 kehre Anna Luise Karsch nach Berlin zurück.

Die Karschin und Friedrich der Große
Doch das Geld, das sie verdiente, reichte nicht zum Leben aus. Sie musste in armseligen Behausungen wohnen.
Nach einer Audienz bei Friedrich dem Großen 1763 versprach er ihr ein Haus, doch der König hielt sich nicht daran, sondern schickte ihr nur drei Taler. Daraufhin antwortete sie: “Zwei Taler gibt kein großer König, ein solch Geschenk vergrößert nicht mein Glück, nein,es erniedert mich ein wenig, drum geb ich es zurück.“ Erst 1789 nach Friedrichs Tod erhielt sie ihr Haus,von seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II., wo sie mit ihrer Tochter wohnte.
 Daraufhin schrieb sie folgende Zeilen: „Mein Haus hat drei Stockwerke in der Höhe, sechs Fenster in der Breite und ist überaus niedlich gebaut“.
Doch lange konnte Anna Luise Karsch ihr Haus nicht genießen, am 12.Oktober 1791 starb sie in Berlin. Beigesetzt wurde sie in der Sophienkirche. „Kennst Du, Wandrer, sie nicht / So gehe und lerne sie kennen.“ lautet die Inschrift auf ihrem Grab. Ihre Tochter Louise von Klenke und ihre Enkelin Wilhelmine von Chézy sind beide ebenfalls erfolgreiche Schriftstellerinnen geworden.

Schreib ich für den Ruhm und für die Ewigkeit?
Nein, zum Vergnügen meiner Freunde!
Zitat Anna Luisa Karsch

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